Perfektbildung mit „haben“ oder „sein“

Perfektbildung mit „haben“ oder „sein“ –  Verwendung der Hilfsverben 

Das Perfekt ist eine der wichtigsten Zeitform in der deutschen Grammatik. Es wird fast immer benutzt, wenn wir über die Vergangenheit sprechen. Wie in vielen anderen europäischen Sprachen wird das Perfekt mit einem Hilfsverb und dem Partizip II gebildet. Hilfsverben im Deutschen sind entweder „sein“ oder „haben“. Grundsätzlich wird das Hilfsverb „sein“ bei Verben der Bewegung und der Zustandsänderung verwendet. „Haben“ kommt bei allen anderen Verben zum Einsatz. Aber was bedeutet das genau?

Perfektbildung mit "haben" oder "sein" - Verwendung der Hilfsverben

Das Hilfsverb „sein“ bei Verben der Bewegung

Verben der Bewegung sind zum Beispiel: laufen, gehen, fahren, rennen, springen, fliegen, also Verben, die die Fortbewegung von einem Ort zum anderen beschreiben. Wenn wir mit diesen Verben das Perfekt bilden möchten, müssen wir das Hilfsverb „sein“ in konjugierter Form an zweiter Stelle im Satz und das entsprechende Partizip II am Ende des Satzes benutzen.
Beispiel: Ich bin zum Bäcker gelaufen.
Einige Bewegungsverben können das Perfekt allerdings mit „haben“ und mit „sein“ bilden. Zu diesen Verben gehören „schwimmen“ oder „joggen“. In Verbindung mit einer Richtungs- oder Ortsangabe, ist jedoch nur die Perfektbildung mit „sein“ möglich:
Ich habe geschwommen. Ich bin geschwommen. Ich bin zum Ufer geschwommen.
Ich habe gejoggt. Ich bin gejoggt. Ich bin durch den Park gejoggt.
Alle genannten Formen sind richtig. Allerdings nimmt die Perfektbildung mit „haben“ bei diesen Bewegungsverben tendenziell ab.

Das Hilfsverb „sein“ bei Verben der Zustandsänderung

Verben der Zustandsänderung können zum Beispiel sein: sterben, wachsen, trocknen, verschwinden; also all jene Verben, die die Veränderung von einem Zustand A in einen Zustand B beschreiben:
lebendig –> sterben –> tot
klein –> wachsen –> groß
Auch diese Verben bilden die Perfektform mit „sein“. Ausnahme: wird eines der Verben der Zustandsänderung transitiv, also zusammen mit einem Akkusativobjekt verwendet, so bildet es die Perfektform mit „haben“. Beispiel:
Die Wäsche ist in der Sonne getrocknet. ABER: Die Sonne hat die Wäsche getrocknet.

Das Hilfsverb „haben“ – der „Normalfall“

Bei allen Verben, die keine Bewegung oder Zustandsänderung beschreiben, wird die Perfektform mit dem Hilfsverb „haben“ gebildet. Dies betrifft die Mehrheit der deutschen Verben.
Folgende Verben bilden die Perfektform immer mit „haben“:
– transitive Verben, also Verben in Verbindung mit einem Akkusativobjekt, zum Beispiel: Sie hat ein Eis gegessen.
– reflexive Verben, zum Beispiel: Ich habe mich gewaschen.

Regionale Besonderheiten

Trotz der genannten Grundregeln, nach denen das Hilfsverb „sein“ ausschließlich bei Verben der Bewegung und der Zustandsänderung zum Einsatz kommt, lässt sich die Frage „Sein“ oder nicht „Sein“ je nach Region nicht so leicht beantworten. So ist es im süddeutschen Sprachraum üblich, auch den Perfekt der Verben „sitzen“, „stehen“ und „liegen“ mit Hilfe des Hilfsverbes „sein“ zu bilden, obwohl diese Verben weder eine Bewegung, noch eine Zustandsänderung beschreiben. Formulierungen wie: „Ich bin gesessen“, „Er ist gestanden“ oder „Du bist gelegen“ sind in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz durchaus Standard und keineswegs falsch. Welche der beiden Varianten sich Deutsch-Lerner aneignen, hängt also maßgeblich davon ab, in welcher Region sie die Sprache lernen und wo die Personen herkommen, mit denen sie im Alltag kommunizieren.

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