Der Nebensatz im Deutschen

Der Nebensatz im Deutschen – Stellung des Verbes und Kategorien

Der Nebensatz im Deutschen ist ein eigenes Problem für sich. Wie kann man feststellen, was ein Nebensatz ist und welche verschiedenen Arten gibt es? Der folgende Artikel zeigt euch, wie ihr mithilfe der Stellung des Verbes herausfindet, ob es ein Haupt- oder Nebensatz ist. Außerdem lernt ihr die jeweiligen Kategorien eines Nebensatzes kennen.

Was bedeutet „Nebensatz“?

Ein Nebensatz ist ein grammatikalisch unvollständiger Satz, der normalerweise nicht alleine stehen kann. Nebensätze sind einem Hauptsatz untergeordnet und geben zusätzliche Informationen zu diesem. Man verbindet einen Nebensatz mit einem Hauptsatz durch einen Konnektor (dass, weil, obwohl,…) oder ein Relativpronomen. In einem Nebensatz steht das konjugierte Verb immer auf der letzten Position. Der Haupt- und der Nebensatz werden durch ein Komma getrennt.

Wo steht das Verb im Nebensatz?

Anders als bei einem Hauptsatz, bei dem das konjugierte Verb an der zweiten Position steht, befindet sich das konjugierte Verb in einem Nebensatz in der Regel an der letzten Position.

Der Nebensatz steht nach dem Hauptsatz

„Ich lese gern ein Buch, weil es entspannend ist.“

„Max freut sich immer, wenn er Pizza isst.“

Der Nebensatz steht vor dem Hauptsatz

Hier muss man beachten, dass der Nebensatz als Position 1 des Hauptsatzes gezählt wird. Das konjugierte Verb des Hauptsatzes kommt also direkt nach dem Komma.

„Weil es entspannend ist, lese ich gern ein Buch.“

„Wenn er Pizza isst, freut sich Max immer.“

Ein Nebensatz mit einem trennbaren Verb

Auch bei einem Nebensatz mit einem trennbaren Verb stellt man das konjugierte Verb an das Ende des Satzes. Da sich dort aber bereits das Präfix des Verbes befindet, wird das Verb jetzt wieder zusammen geschrieben.

„Meine Tante freut sich, wenn ich sie anrufe.“

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Der Nebensatz hat mehr als ein Verb

Gibt es in dem Nebensatz ein Modalverb oder ein Partizip, hat der Satz mehr als ein Verb. Aber auch dann gilt: das konjugierte Verb steht auf der letzten Position des Satzes.

„Max kann ins Kino gehen, weil er schon gelernt hat.“

Ausnahmen von der Regel

Wenn ihr einen Nebensatz im Perfekt oder Plusquamperfekt bildet, kann es eine Ausnahme von der Regel geben!

Solltet ihr einen Satz mit einem Modalverb und einem Vollverb in eine dieser Zeiten setzen wollen, kommt die konjugierte Form von „haben“ vor die beiden Infinitive. Klingt kompliziert, deshalb ein Beispiel:

Der Hauptsatz „ Ich habe Hausaufgaben machen müssen.“

wird im Nebensatz zu:

„…, weil ich Hausaufgaben habe machen müssen.“ 

Auch bei den Verben „lassen“, „hören“ und „sehen“ kann es sein, dass im Perfekt ein zweiter Infinitiv verwendet wird.

Aus dem Hauptsatz „ Ich habe dich kommen hören.“

wird der Nebensatz:

„…, dass ich dich habe kommen hören.“

Wie erkennt man einen Nebensatz?

An der Position des Verbes erkennt man, ob es sich um einen Haupt- oder Nebensatz handelt. Steht das konjugierte Verb auf der zweiten Position, ist der Satz ein Hauptsatz. Befindet sich das Verb an der letzten Position, hat man einen Nebensatz vor sich.

Wie weiß man, dass man das Verb ans Ende stellen muss?

Einen Nebensatz bildet man dann, wenn man den Hauptsatz oder einen Teil davon näher erklären möchte.

Bei der Bildung stellt sich die Frage, ob der Satz, den man gerade sagen möchte, alleine stehen kann oder nicht, d.h. benötigt man noch eine Information oder nicht. Fehlt eine Information, handelt es sich um einen Nebensatz, kann der Satz so stehen bleiben, ist es ein Hauptsatz.

„Ich lese gern, wenn ich Zeit habe.“

Der Hauptsatz ist „Ich lese gern“. Der Satz kann so stehen bleiben, man benötigt keine weitere Information.

Der Nebensatz „…, wenn ich Zeit habe“ lässt mich nach weiteren Informationen fragen.

Auch die Sätze:

„…, weil ich krank bin.“

„…, obwohl es regnet.“

„…, dass du kommst.“

können nicht alleine stehen, da sie ohne den Kontext des Hauptsatzes keinen Sinn machen.

Welche Konnektoren leiten  Nebensätze ein?

Wenn man sich nicht die Frage stellen möchte, ob der Satz alleine stehen kann oder nicht, gibt es auch die Möglichkeit, die Verbindungswörter ( Konnektoren) auswendig zu lernen.

Die häufigsten Konnektoren sind:

Dass, so dass, weil, damit, wenn, als, falls, obwohl, seit, während, da, bevor, seit, nachdem, indem

Eine spezielle Kategorie sind indirekte Fragen, die auch Nebensätze bilden. Hat man in der direkten Frage eine W-Fragewort (warum, wer, wo, wann, was, …), so wird die indirekte Frage mit dem gleichen Wort eingeleitet. Ist die direkte Frage eine Ja/Nein-Frage, steht als Konnektor das Wort „ob“.

„ Ich frage ihn, wann er Zeit hat.“

„ Max möchte wissen, wo das Kino ist.“

„ Meine Mutter fragt, ob ihr Hunger habt.“

Verschiedene Kategorien von Nebensätzen

Nebensätze werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, je nachdem ob sie ein Nomen genauer erklären, einen Grund angeben, einen Zweck, o.ä.

Relativsätze

Relativsätze erklären ein Nomen aus dem Hauptsatz genauer. Man erhält weitere Informationen, ohne einen neuen Satz bilden zu müssen. Der Konnektor des Relativsatzes ist das Relativpronomen bzw. das Wort „wo“, wenn ein Ort näher bestimmt wird.

„Der Mann, der mit seinem Hund spazieren geht, wohnt in meinem Haus.“

„Das Theaterstück, das ich gestern gesehen habe, war sehr interessant.“

„Gibt es einen Ort, an dem ich in Ruhe lesen kann?“

Ergänzungssätze

Ergänzungssätze werden mit „dass“ gebildet. Was in einem „dass“- Satz steht, ist notwendig, damit man den Hauptsatz versteht.

„Ich freue mich, dass du kommst.“

„Ich weiß, dass ich morgen eine Prüfung schreibe.“

„Ich denke, dass das Wetter schön wird.“

Kausalsätze

Kausalsätze geben einen Grund oder eine Ursache an. Sie sagen also „warum“, „weshalb“, „wieso“ oder „weswegen“ etwas passiert. Die Konnektoren, die diese Nebensätze einleiten sind „weil“ und „da“.

„Julia ist nicht da, weil sie arbeiten muss.“

„Da Julia arbeiten muss, ist sie nicht da.“

„Max bleibt zu Hause, weil es regnet.“

Konzessivsätze

In einem Konzessivsatz wird ein Gegengrund oder eine nicht logische Folge des Hauptsatzes genannt. Das bedeutet, dass man eigentlich eine andere Handlung oder Folge erwarten würde als die, die eintritt. Die Konnektoren, mit denen diese Nebensätze eingeleitet werden, sind: „obwohl“ , „obgleich“ und „obschon“.

„Obwohl es sehr kalt ist, gehe ich spazieren.“

„Ich sehe mir den Film an, obgleich ich den Schauspieler nicht mag.“

„Mira kauft sich ein Paar neue Schuhe, obschon sie genug Schuhe hat.“

Finalsätze

Einen Finalsatz bildet man, wenn man ein Ziel, eine Absicht oder einen Zweck beschreiben möchte. Er sagt also aus, „wofür“, „wozu“, „mit welchem Ziel“, „mit welcher Absicht“ oder „mit welchem Zweck“ etwas geschieht. Ein finaler Nebensatz hat den Konnektor „damit“. Als Alternative kann ein Finalsatz auch als Infinitivkonstruktion gebildet werden.

„Ich lerne viel, damit ich eine gute Note bekomme.“

„Max hilft Julia beim Aufräumen, damit sie schneller fertig werden.“

„Ich lese viele deutsche Bücher, um besser in Deutsch zu werden.“

Konditionalsätze

Um eine Bedingung anzugeben, die für die Realisierung des Hauptsatzes notwendig ist, benutzt man einen Konditionalsatz.  Man frägt danach mit: „wann“ oder „unter welcher Bedingung“. Den konditionalen Nebensatz leitet man mit den Konnektoren „wenn“, „falls“ oder „sofern“ ein.

„Wenn du etwas von Markus hörst, ruf mich bitte an.“

„Falls du Zeit hast, könntest du mir bitte helfen.“

„Sofern der Zug keine Verspätung hat, komme ich um 17.00 Uhr an.“

Konsekutivsätze

Konsekutivsätze sind Nebensätze, die die Folgen der Handlung des Hauptsatzes nennen. Der Hauptsatz muss hierbei vor dem Nebensatz stehen, da man andernfalls den Grund für und nicht die Folge des Hauptsatzes ausdrücken würde. Ebenfalls charakteristisch für diese Konstruktion ist, dass die Handlung bereits in der Vergangenheit liegt. Der Konnektor für Konsekutivsätze heißt „so dass“.

„Meine Jacke war zu warm, so dass ich schwitzte.“

„Die Schuhe waren zu groß, so dass sie mir nicht passten.“

„Der Weg war zu weit, so dass ich mit dem Bus fuhr.“

Modalsätze

Ein Modalsatz beschreibt, wie und auf welche Art und Weise etwas passiert oder gemacht wird. Nach einem modalen Nebensatz fragt man „wie?“, „auf welche Art und Weise?“, „wodurch?“. Den Haupt- und Nebensatz verbindet man mit Konnektoren wie „dadurch dass…“, „ohne dass…“, „anstatt dass…“ oder mit „indem“. Alternativ zu den Konnektoren kann auch eine Infinitivkonstruktion verwendet werden: „ ohne…zu…“ oder „anstatt…zu…“.

„Man kann eine  Prüfung bestehen, ohne dass man viel lernt.“

„Max schreibt gute Noten, dadurch dass er viel lernt.“

„Julia verdient viel Geld, indem sie zwei Jobs hat.“

„Ich starte meine Reise, ohne mein Ziel zu kennen.“

Temporalsätze

Temporale Nebensätze geben an, wann eine Handlung beginnt oder endet und wie lange sie dauert. Zusätzlich informieren sie darüber, ob die Handlungen im Haupt- und Nebensatz gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig passieren. Die Nebensätze werden mit temporalen Konnektoren eingeleitet, die unterschiedliche Bedeutungen haben, wie zum Beispiel: „seit“, „bis“, „während“, „seitdem“, „nachdem“, „bevor“,  u.a.

„Seit ich einen Hund habe, gehe ich oft spazieren.“

„Bevor meine Eltern mich besuchen, muss ich die Wohnung putzen.“

„Ich lerne, nachdem ich einen Kuchen gebacken habe.“

Infinitivsätze

Einen Nebensatz stellt auch ein Infinitivsatz dar, denn das Verb befindet sich auf der letzten Position. Einen Infinitivsatz leitet man allerdings nicht mit einem Konnektor ein, sondern man benutzt am Ende des Satzes einen Infinitiv mit zu.

„Ich verspreche, dir morgen bei deinen Hausaufgaben zu helfen.“

„Max plant, nächstes Jahr im Sommer eine lange Reise durch Europa zu machen.“

„Julia überlegt, einen Japanischkurs zu besuchen.“

Konstruktionen mit dem Infinitiv

Bei diesen Konstruktionen bildet man einen Nebensatz dadurch, dass man sowohl einen Konnektor benutzt als auch einen Infinitiv mit zu. Diese Art von Nebensätzen nennt man Infinitivkonstruktionen. Man hat drei verschiedene Möglichkeiten, solche Konstruktionen einzuleiten: „um…zu…“, „ohne…zu…“, „anstatt…zu…“.

„Ich stehe jeden Tag um 6.00 Uhr auf, um Sport zu machen.“

„Mira hat immer gute Noten, ohne auch nur 10 Minuten zu lernen.“

„Ich spiele lieber Computerspiele, anstatt meine Hausaufgaben zu erledigen.“

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